Rubrik: TVG Pulheim - Projekte und Aktionen

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Alljährlich im Herbst...

Es ist nicht zu übersehen: das Laub verfärbt sich, die Früchte der Eichen und Buchen, der Kastanien und Maronen fallen von den Bäumen und dann erinnern sich viele Leute daran: "Jetzt ist es ja Zeit Igel zu retten". Obwohl sich durch die Aufklärungsarbeiten sowohl von Igelschutzvereinen als auch vielen engagierten Igelhelfern Vieles zum Guten verändert hat, gilt es noch, dicke Bretter zu bohren, um diesen erdgeschichtlich seit der Kreidezeit fast unverändert vorkommenden Tieren ein Überleben zu ermöglichen.

Abbildung: Igel nascht im Herbst am Wildling-Futterplatz. Quelle: TVG Pulheim

Abbildung: Igel nascht im Herbst am Wildling-Futterplatz. Quelle: TVG Pulheim

Mancherorts werden sie von wohlmeinenden Helfern wie eben diese Herbstfrüchte eingesammelt und weil vermeintlich untergewichtig in kleinen Kästchen mit Laub im Keller verstaut. Man stellt ihnen eventuell noch Wasser und Katzenfutter hin und meint, damit der große Tierschützer zu sein. So werden viele Igel in guter Absicht ohne jegliche Sachkenntnis totgepflegt und es gibt eine erhebliche Dunkelziffer.

Andererseits werden im Sommer verletzte oder kranke Igel, weil sie ja mit ihrem Körpergewicht über den berühmt berüchtigten 600 g liegen nicht beachtet - sie versterben elendig. Viele Menschen meinen, nach Lesen der vielen, besonders im Herbst veröffentlichten Texte in diversen Medien, ein Igelkenner zu sein. Das ist nicht so. Achtung: viele dieser Beiträge sind oft verkürzt, unrichtig, weil aus überholten Schriften abgeschrieben.

Hier ein paar hilfreiche Erkennungsmerkmale:

  Gesunder Igel Kranker Igel: hilfsbedürftig
Aktivität
  • Dämmerungs-u. Nachtaktiv
  • Kranke und verletzte Igel werden meist am Tag gefunden, oft ohne jegliche Deckung liegend
Form
  • Tropfenförmig, vorne spitz, hinten rund.
  • die Form kranker Igel ist walzenförmig
  • sie haben oft eine auffällige Nackenfalte
  • die Körpertemperatur kann kühl sein
Rollen
  • er rollt sich bei Annäherung fest zusammen und erst wenn die vermeintliche Gefahr vorbei ist, wieder aus.
  • kranke Igel rollen sich kaum ein und schnell wieder aus, wirken zahm
Bewegung
  • Wenn er meint, dass die Zeit reicht, flitzt er hochbeinig und schnell in Sicherheit.
  • Der Gang kranker Igel ist langsam, mehr wackelig oder sie liegen und stehen nicht auf.
Augen
  • er hat halbkugelförmige schwarze Knopfaugen
  • die Augen liegen tief in den Höhlen,werden oft nur schlitzförmig geöffnet
Nase
  • seine Nase ist feucht
  • die Nase ist meist trocken
Stacheln
  • seine Stacheln stellt er kreuz und quer auf
  • die Stacheln liegen an und werden kaum aufgestellt
Kot
  • der Kot gesunder Igel ist ein dunkles geformtes Würstchen
  • Der Kot kranker Igel ist weich, manchmal grünlich schleimig, auch blutig
  Der gesunde Igel ist ein Wildtier,
er gehört nicht in Menschenhand!
Hinweise damit es so bleibt
Verletzte und kranke Igel brauchen ganzjährig Hilfe.
Tipps für Finder

Hilfsbedürftig sind auch Igel, die nach Frosteinbruch noch mit einem Gewicht unter 500 g draußen gefunden werden, ihnen fehlt das nötige Fettpolster für den Winterschlaf. Dies ist in der Regel krankheitsbedingt und muss behandelt werden.

Wichtige Hinweise, falls Sie einen verletzten oder kranken Igel finden:

  • Wer ein krankes Tier anfasst, muss auf besonders gründliche Händehygiene achten, denn Krankheitserreger wie z. B. auch Eitererreger oder Salmonellen sind auf Menschen übertragbar.
  • Eine tierärztliche Behandlung oder die Versorgung in einer qualifizierten Igelstation ist immer erforderlich, wenn die Überwinterung gelingen soll.
  • Besondere Kenntnisse sind erforderlich, wenn verwaiste Igelbabys gefunden werden.
  • Erste Hilfe: handwarme Wärmflasche und Fencheltee aus der Pipette vorsichtig tropfenweise eingeben (darauf achten, dass das Tierchen schluckt!) und qualifizeirte Hilfe suchen.
Einen kranken Igel lediglich mit Futterangebot und Unterkunft zu versorgen, führt zu seinem Tode. Hervorragende Informationen kann man sich aus dem Internet holen unter www.pro-Igel.de Pro Igel - Professionelle Hilfe!

Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt Verantwortung

Gerade jetzt erscheint es besonders wichtig: Viele Igelfinder fragen als Erstes: "Wo kann ich den Igel abgeben?" und treten oft sehr fordernd auf. Igelfinder scheuen häufig den Gang zum Tierarzt, weil sie die Kosten nicht übernehmen wollen. "Der Igel ist doch nicht MEIN Tier!"[Tipp: Erkundigen Sie sich, ob der Tierarzt ausnahmsweise (obwohl Wildtier) nach dem Fundtiergesetz unentgeltlich behandelt]

Abbildung: Eine Handvoll Igelbaby-Waisen. Quelle: Karin Oehl

Abbildung: Eine Handvoll Igelbaby-Waisen. Quelle: Karin Oehl

Igelstationen sind in der Regel Privatinitiativen

Der Begriff IGELSTATION ist nicht geschützt und sagt nichts über die Qualifikation des Betreibers aus. In der Regel machen Igelstationen ihre Arbeit unentgeltlich, aber die dort Aktiven tragen dann die anfallenden Kosten (auch Tierarztkosten) und gerade im Herbst werden sie regelrecht "zugeschüttet" und sind hohen Belastungen ausgesetzt:

  • sie werden Tag und Nacht ans Telefon gerufen
  • die Igel brauchen Medikamente
  • der Abfall muss entsorgt werden
  • es fallen hohe Telefonkosten an
  • es wird Info-Material gekauft, welches häufig kostenlos weitergegeben wird
  • ... vom Zeitaufwand für die Arbeit ganz zu schweigen

Abbildung: Igelbaby-Findling bei der Fütterung. Quelle: Karin Oehl

Abbildung: Igelbaby-Findling bei der Fütterung. Quelle: Karin Oehl

Die "Igelstationen" brauchen die Hilfe der Finder und ihre Bereitschaft, wenn der Igel gesund ist und nur noch gesäubert und gefüttert werden muss, ihn wieder zu übernehmen, damit wieder Kapazitäten für die schlimmen Fälle geschaffen werden können.

Die Igelstationen bzw. fachkundigen Igelschützer übernehmen Verantwortung: Mit Rat (und falls es das Können des Finders übersteigt auch mit Tat) stehen sie zur Seite und Helfen zu helfen. Helfen bedeutet aber nicht, die Verantwortung dem Finder aus der Hand zu nehmen. Ganz abgesehen vom finanziellen Aufwand, der von keiner Stelle übernommen wird, haben auch die Igelschützer noch ein Privatleben und können nicht alle Igel der Welt in ihre Häuser und Wohnungen nehmen.

Abbildung: Albino-Igel in Pflege. Quelle: Karin Oehl

Abbildung: Albino-Igel in Pflege. Quelle: Karin Oehl


"Artenschutz" beginnt bei jedem Einzelnen von uns

Was in den Stationen gemacht wird, ist Reparaturarbeit und Hilfe am leidenden Einzeltier. Mit seiner Auswilderung als gesundes Tier kann man möglicherweise eine geschwächte Population stützen. Es hat allerdings nichts mit Artenschutz zu tun.

Hier einige Hinweise, wie wir Igeln helfen, in unserer Umwelt zu überleben:

1.

indem wir verantwortungsbewusst im Straßenverkehr sind

2.

weitestgehend auf Gifteinsatz im Garten verzichten

3.

Gefahrenquellen in unserem Lebensraum, den der Igel zwangsläufig als Kulturfolger mit uns teilt, beseitigen, z. B. Teiche mit Ausstiegshilfen versehen, auf Gartenfeuer verzichten, Gruben und Schächte abdecken, auf Netze bis zum Boden verzichten, in denen sich die Tiere verheddern können vorsichtig mit dem Einsatz von motorisierten Gartengeräten. z.B.Rasentrimmern. Laubsaugern sind, bes. unter Sträuchern

4.

darauf verzichten, dass Lebensmittel weggeworfen werden und zu einer Infektionsquelle werden

5.

in dem wir Wildpflanzen in den Gärten zulassen, sie bieten der heimischen Insektenwelt Lebensraum und Kinderstube. Igel als Insektenfresser sind darauf angewiesen

6.

Indem wir Unterschlüpfe bieten und Laub und Strauchschnitt als Nistmaterial belassen

Unsere Stachelritter möchten leben und wir möchten sie doch noch lange als heimliche nächtliche Kobolde in unserer Nähe beobachten können?

Sie verdienen unseren besonderen Schutz und Beachtung.

Informationen von TVG-Pulheim-Mitglied Karin Oehl, Pulheim
3. September 2006

Abbildung: Igel nascht im Herbst am Wildling-Futterplatz. Quelle: TVG Pulheim

Abbildung: Igel nascht im Herbst am Wildling-Futterplatz. Quelle: TVG Pulheim


Linktipp: Informationsforum für Tiervermittlung

Infos TIER-INFO/Tierversuchsgegner Pulheim: Die Rubrik "Tiervermittlungen - Notfälle" ist inzwischen sehr zeitintensiv und arbeitsaufwendig geworden, so dass wir uns dazu entschlossen haben, ein separates Forum einzurichten. Herzlichen Dank dafür an unser sehr aktives Mitglied Helmut Rentsch.

Obwohl nicht alle zu vermittelten Tiere, sondern ausschließlich Notfälle in unserem TI-Newsletter aufgenommen werden können, beansprucht diese Rubrik inzwischen die Hälfte des Raumes unserer TIERschutz-INFOrmationen. Wir würden uns freuen, wenn das neue "Informationsforum für Tiervermittlungen" ebenso intensiv genutzt würde. Da dort nun auch Fotos unserer Schützlinge veröffentlicht werden können, sind wir zuversichtlich, dass das Forum noch erfolgreicher werden wird.

Vorausgesetzt, dass alle mithelfen, den Link auf ihren HP-Seiten bekanntzumachen und fleißig genutzt wird. Bitte auch die Erfolge der vermittelten Tiere dort veröffentlichen. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und danken für die Unterstützung. Gerd und Trudi, Tierversuchsgegner Pulheim e.V., MENSCHEN FÜR TIERRECHTE. Link

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